Smart Home im Neubau - Ja oder Nein?

Smart Home im Neubau – Ja oder nein?

Wenn man ein Haus baut, dann stellt sich unweigerlich die Frage: Will ich ein Smart Home oder nicht? Lohnt sich die Installation in einem Neubau? Was kann so ein intelligentes Zuhause und welche Technologien gibt es? Wir haben uns mit diesem Thema auch beschäftigt und möchten unsere Erfahrungen mit euch teilen.

Was ist ein Smart Home?

Der Begriff Smart Home beschreibt technische Verfahren und Systeme und Wohnräumen und -häusern, deren Zweck es ist die Wohn- und Lebensqualität zu erhöhen.

Zugegeben, diese Erklärung klingt sehr akademisch. Es ist vielleicht etwas einfacher, den Begriff mit einem intelligenten Zuhause zu umschreiben. Für uns heißt dies aber nicht, dass unbedingt alle Geräte mit dem Internet verbunden sein müssen. Der Kühlschrank muss nicht automatisch neue Milch kaufen, wenn keine mehr da ist. Das ist noch Zukunftsmusik.

In einem intelligenten Zuhause hat man verschiedene technische Hilfsmittel wie Sensoren, gesteuerte Motoren und Kameras. Diese sollen für mehr Annehmlichkeiten oder Hilfe im Haushalt sorgen. Ein Echo Dot mit Amazons Alexa macht noch lange kein Smart Home. Es ist bestenfalls ein Teil davon. Auch eine App auf dem Smartphone macht das Haus noch nicht intelligent.

Welches Smart Home System im Neubau

Welches Smart Home System soll ich im Neubau einsetzen?

Uns ist bei der Suche aufgefallen, dass es wirklich eine Vielzahl von Systemen auf dem Markt gibt. Da stellt sich die Frage, welches Smart Home System soll ich in meinem Neubau einsetzen? Wir haben eine Übersicht der Systeme erstellt, die wir als relevant erachtet haben.

Was kann ein Smart Home?

Die Einsatzgebiete von einem Smart Home lassen sich auf drei Gebiete eingrenzen: Komfort, Energiesparen und Sicherheit. Viele Funktionen lassen sich auf mindestens einer dieser Gebiete runterbrechen. Der Fantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Bei vielen Bauherren ist der Geldbeutel der limitierende Faktor.

Auf dem Markt gibt es eine Menge unterschiedlicher Systeme im Angebot. Nicht alle haben in jedem Gebiet stärken oder unterstützen alle Funktionen. Wer ein neues Haus baut sollte sich also gut beraten lassen. Es hilft auch, wenn man sich vorher mit den Möglichkeiten der Technologie auseinandersetzt.

Wir haben hier einfach mal ein paar Szenarien aufgeschrieben. Wenn ihr weitere Ideen habt, dann lasst es uns einfach wissen.

Mehr Komfort mit einem Smart Home

Wer wünscht sich nicht mehr Komfort in seinem neuen Haus? Es gibt einige Funktionen, die einem das Leben erleichtern können.

Denkt zum Beispiel an Rollladen oder Jalousien. Ein elektrischer Antrieb ist heute fast Standard. Dieser wird oft über einen Taster bedient. Ein intelligentes Haus soll dabei seinen Bewohnern die Arbeit abnehmen. Eine Zeitsteuerung kann früh am morgen automatisch die Rollos öffnen und die Bewohner des Hauses mit der Morgensonne kurz vor dem Wecker wecken.

Sind die Bewohner aus dem Haus, lässt sich mit einem intelligenten Haus die Beschattung smart steuern. Mit einer Wetterstation können Temperaturen, Windgeschwindigkeiten und Sonneneinstrahlung messen. Scheint die Sonne und die Außentemperaturen sind niedriger als die Temperaturen in den Innenräumen, dann bleiben die Rollos oben.

Übersteigt die Außentemperatur die im Inneren des Hauses, dann verschließen sich die Rollos damit sich das Haus nicht weiter aufheizt. Im Urlaub können die Rollos dann weiter automatisch hoch- und runterfahren. Damit wird die Anwesenheit der Hausbesitzer simuliert. Dazu kann man auch abends diverse Lampen zeitgesteuert ein- und ausschalten.

Auch ein anderes Szenario ist möglich: Wenn man abends noch mal schnell auf das Klo muss, bevor man schlafen geht. Der Bewegungssensor im Flur erkennt den Bewohner und schaltet das Licht ein. Da es schon spät ist, wird das Licht allerdings nur mit 20 % Helligkeit eingeschaltet. Das gleiche dann im Bad. Diese Idee sorgt des Öfteren für Gelächter bei ums im Freundeskreis.

Über festgelegte Szenarien lassen sich diverse Situationen abdecken. Das gemütliche Fernsehlicht im Wohnzimmer, das Licht zum Essen oder die Festbeleuchtung wenn man eine Kontaktlinse sucht. Mit einem Smart Home lässt sich dies realisieren.

Mit dem intelligenten Zuhause Energie sparen

Ein intelligentes Haus kann den Bewohnern auch dabei helfen, Energie zu sparen. Wir machen uns mittlerweile mehr Gedanken um unseren ökologischen Fußabdruck. Die Ressourcen der Erde sind begrenzt. Die Smart Home Technologie kann uns dabei helfen, Ressourcen zu sparen und dabei nicht auf Komfort zu verzichten.

Mit Sensoren wird erkannt, ob ein Fenster geöffnet ist. Dann wird die Heizung in diesem Raum automatisch runtergefahren.

Besonders praktisch ist die „alles Aus“-Funktion. Wenn der letzte das Haus verlässt, können damit alle Geräte abgeschaltet werden, die nicht unbedingt laufen müssen.

Etwas technischer wird es, wenn wir über Smart Grids und die intelligente Steuerung von Verbrauchern reden. Mit einer Photovoltaikanlage können Geräte zum Beispiel dann gestartet werden, wenn ausreichend Sonnenstrom zur Verfügung steht.

Die Steuerung der Heizung in Verbindung mit der Steuerung für die Beschattung kann auch helfen Energie zu sparen. Scheint im Frühling draußen die Sonne, so wird die Beschattung hochgefahren und die Sonnenstrahlen können das Haus heizen. Die Heizung wird gleichzeitig runtergefahren.

Smart Home Funk-Raumthermostat von Innogy
Smart Home Funk-Raumthermostat von Innogy

Das sichere Zuhause, dank Smart Home

Neben der Einsparung von Energie und tollen Komfortfunktionen ist auch die Sicherheit in einem Eigenheim wichtig. Daher sollten natürlich bauliche Maßnahmen getroffen werden. Türen und Fenster müssen entsprechende Sicherheitsbeschläge haben. Rollos können zusätzlich für Sicherheit sorgen.

Mit einem Smart Home lassen sich zusätzliche Maßnahmen ergreifen, wenn man nicht sowieso eine Alarmanlage verbaut hat. An dieser Stelle sollte auch erwähnt werden, dass die Sicherheitsfunktionen in einem Smart Home nicht vom VdS zertifiziert sind. Das ist besonders bei der Hausratversicherung relevant.

Diverse Smart Home Anbieter haben zum Beispiel Tür- und Fensterkontakte im Angebot. Der Nutzer erkennt damit, ob er alle Fenster und Türen geschlossen hat. Zum anderen lässt sich auch erkennen, ob jemand unbefugt das Fenster öffnet um sich Zutritt zu verschaffen. Oder man stellt sich Abends die Frage, ob man die Tür zur Garage geschlossen hat? Ein Blick auf die Visualisierung gibt direkt die Antwort.

Mit Präsenzmeldern lässt sich auch erkennen, ob jemand im Haus ist obwohl niemand dort sein sollte. Zusätzlich gibt es auch Glasbruchmelder, da viele Einbrecher den Zugang über die Terrasse suchen. Wird ein unbefugter Zutritt erkannt, dann kann das Haus auch reagieren. Die Rollos fahren hoch, in allen Zimmern geht das Licht und es wird automatisch eine Alarmmeldung abgesetzt. Einbrechen mögen keine Aufmerksamkeit und die wären ihnen damit sicher.

Mit einem Wassermelder an der Heizung, Spülmaschine und Waschmaschine lassen sich eventuelle Lecks erkennen und die Maschine direkt abstellen. Der Besitzer erhält zusätzlich eine Benachrichtigung und kann reagieren. Ein Rauchmelder kann die Bewohner vor drohenden Gefahren durch einen Brand warnen.

Smart Home Funk-Rauchmelder von Innogy
Smart Home Funk-Rauchmelder von Innogy

Welche Vorteile und Nachteile hat ein Smart Home?

Wer den Abschnitt oben gelesen hat, der kennt bereits die Vorzüge von einem intelligenten Haus. Wir wollen hier noch erwähnen, dass die Installation der Technik auch den Wert der Immobilie steigert. Je nach Anbieter und Technologie ist die Investition allerdings auch nicht gerade gering.

Das bringt uns auch zum Nachteil von einem Smart Home. Wer ein neues Haus baut, der sieht überall nur Kosten. Mit der Smart Home Technik kommt noch etwas mehr dazu. Der Frage, was ein Smart Home kostet, widmen wir uns in einem eigenen Beitrag.

Weiter unten haben wir die Ergebnisse einer Studie von 2015 eingebunden. In der Studie geht es um die das Für und Wider von smartem Wohnen. Die Hauptgründe gegen ein Smart Home ist darin die Sorge um die Privatsphäre. Das können wir verstehen. Die Sorge treibt auch uns um. Einige Smart Home Systeme funktionieren nur, wenn sie mit einem Server im Internet kommunizieren. Das wäre für uns ein K.O.-Kriterium.

Das würde das System auch anfälliger für Hacker machen. Die Unternehmen geben sich zwar viel Mühe um ihre Systeme zu sichern, ein Restrisiko bleibt immer. Deshalb sollte man sich ein Smart Home System suchen, welches die Daten lokal ablegt und keine zwingende Verbindung zum Internet brauch. Einige Funktionen benötigen den Zugang zum Internet, diese Zugänge müssen dann sehr gut gesichert werden.

Auch die Angst vor einem technisch nicht ausgereiften Produkt ist realistisch. Am Markt tut sich gerade einiges und viele Hersteller wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Daher werden schnell Produkte auf den Markt gebracht, welche noch sehr fehleranfällig sind. Zum Teil sind es bessere Beta-Tests.

Smart Home Vorteile und Nachteile
Infografik von Statista

Warum man bereits beim Neubau an ein Smart Home denken sollte!

Wer sich ein neues Haus baut, der sollte sich frühzeitig mit dem Thema Smart Home beschäftigen. Es gibt zwar auf dem Markt einige Nachrüst-Systeme, jedoch ist dies immer mit abstrichen verbunden.

In einem neuen Haus kann die Kommunikation zum Beispiel via Kabel erfolgen und es muss nicht auf ein Funksystem zurückgegriffen werden. Erstere sind oft wesentlich stabiler und die Kommunikation erfolgt ohne Abbrüche. Bei Funksystemen berichten Anwender immer wieder von Verbindungsabbrüchen. Nicht alle Systeme sind hier bereits so ausgereift, dass die Verbindung stabil ist.

Eine nachträgliche Installation kostet immer eine Menge Geld. Bei Funksystemen müssen die Einsätze in den Dosen und eventuell einige Schalter getauscht werden. Das Kostet auf jeden Fall extra. Noch teurer wird es, wenn man neue Kabel für die Kommunikation (ein sogenannter Bus) gelegt werden müssen.

Ist man sich darüber im Klaren, ob man ein intelligentes Haus bauen will, dann ist da natürlich noch die Frage nach dem Geld offen. Für die Berechnung der Kreditsumme muss man die Entscheidung treffen, ob man ein intelligentes Haus bauen will oder nicht.

In diesem Video erklärt ein Experte, was ein smartes Zuhause in einem Neubau etwa kostet. Dabei muss man natürlich bedenken, dass dieser Preis nach oben oder unten gedrückt werden kann und daher nur ein Mittelwert darstellt. Setzt man bei allen Schaltern auf exklusive Modelle von Gira, dann landet man sehr schnell bei dieser Summe.

Was spricht gegen ein Smart Home im Neubau?

In erster Linie spricht das Budget dagegen. Ist wenig Geld vorhanden, dann sollte man auf ein smartes Zuhause verzichten. Eventuell sollte man bereits die entsprechenden Lösungen vorbereiten. Das können zum Beispiel Kabelkanäle und ein größerer Schaltschrank sein.

Wir hatten mit Freunden ein Gespräch über Smart Home. Die oben genannten Funktionen konnten sie nicht überzeugen. Dagegen überwog die Ablehnung gegen zusätzliche Technik, welche nicht zwingend notwendig ist. Das kann man natürlich nicht leugnen und die Gefahr besteht, dass ein Teil des Systems ausfällt und ersetzt werden muss.

Warum die Technik schlecht nachgerüstet werden kann!

Wie zum Beginn erwähnt, gibt es Systeme, die via Kabel kommunizieren oder via Funk. Das nachrüsten von Kabeln in einem Haus ist nur mit viel Aufwand und Dreck möglich. Wände müssen aufgestemmt und neue Leerrohre verlegt werden. Das dürfte eine Menge kosten und Handwerker sind aktuell auch nur schwer zu bekommen.

Eine Alternative für die Nachrüstung eines Smart Home sind Funklösungen. Sie lassen sich problemlos nachrüsten. Allerdings sind auch hier hohe Kosten zu erwarten, wenn man mehr als nur eine bunte Lampe haben möchte.

Sollen zum Beispiel Rollladen, Lampen, Bewegungsmelder und einige andere Geräte gesteuert werden, dann müssen dafür entsprechende Aktoren eingebaut werden.

Wir geben auch zu bedenken, dass die Funksysteme teilweise nicht stabil laufen. So liest man immer wieder von Verbindungsabbrüchen welche einen Systemneustart erfordern. Greift man auf das System von einem bestimmten Hersteller zurück, dann ist man oft auch von diesem Hersteller abhängig. Stellt er die Serie ein oder geht Konkurs, dann hat man als Nutzer das Nachsehen.

Werden wird unser Haus ein Smart Home werden?

Wir beschäftigen uns sehr intensiv mit dem Thema. Auf unsere Amazon-Einkaufsliste steht dieses Buch, welches schon sehr tief in die Technik abtaucht. Hoffentlich können wir damit dann abschätzen, ob die Technik etwas für uns ist oder nicht.

Dazu halten wir euch auf jeden Fall auf dem Laufenden. Wie ist eure Meinung zu diesem Thema? Habt ihr vielleicht selber ein intelligentes Haus gebaut? Welche Technik gefällt euch am besten?

Smart Home im Neubau? Die Infografik zeigt die wichtigsten Funktionen
Smart Home im Neubau? Die Infografik zeigt die wichtigsten Funktionen

Weitere Lesetipps zum Smart Home

2 Kommentare zu „Smart Home im Neubau – Ja oder nein?“

  1. Interessantes Thema! Ich glaube, dass punkto Haustechnik in den nächsten Jahren (oder Jahrzenten?) ein Umbruch stattfinden wird. Nur welche Richtung sich dabei durchsetzen wird ist wohl noch nicht so ganz klar.
    Wird es in Richtung Kabellos gehen? Wird es weiter in Richtung Automatisierung gehen (Sonnenschutz, Lüftung, Licht, Türöffnung etc.) oder wird man davon wieder abkommen und versuchen so wenig wie möglich Elektronik zu verbauen um sparsamer und weniger Fehleranfällig zu sein? Werden die elektronischen Geräte selbst autark sein? Wird das Haus für sich autark sein? Oder werden mehrere Häuser gemeinsam (oder Orte) als Zusammenschluss autark sein?
    Finde es sehr spannend was heute schon alles ausprobiert wird und frage mich was sich dann letztlich durchsetzen wird. Smart Home hat sicher Potential, auch wenn wir selbst keines haben (war aber auch einen Umbau und keinen Neubau..).
    Liebe Grüße, Kathi

    1. Hallo Kathi, wir denken auch, dass da richtig Bewegung in den Markt kommen wird. Unser Ziel wird es sein, wohl kein System eines einzelnen Herstellers einzusetzen. Wir sind Freunde von Smart-Home-Standards, welche durch verschiedene Unternehmen gestützt werden. So ist man nicht auf Gedeih und Verderben einer Firma ausgeliefert.

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